SV Hafen in der BILD

SV Hafen in der BILD

Schon gelesen? Die BILD Zeitung hat für die Serie „Abstieg Ost“ einen Artikel zur DDR-Ligageschichte von Schiffahrt Hafen Rostock produziert und veröffentlicht. Basis dafür war ein gemeinsames Interview der Hafenredaktion mit dem damaligen Trainer und heutiger guten Seele im Verein Jürgen Rabenhorst und unserem ehemaligen Präsi Hans-Werner Bull.

Die kompletten Antworten zu den Themen in Stichpunktform:

Situationsvergleich damals+heute für die Sportler

Vom zweitgrößten Mehrspartenverein  hat  die BSG Schiffahrt Hafen Rostock mit der Dreiteilung in der Wendezeit das Überleben vieler Sportarten gesichert. Dabei haben wir gelernt, aus der behüteten und gesetzlich geregelten Normalität des geselligen Sporttreibens die notwendige Umstellung auf Eigeninitiative und Verzicht auf ungewollte und nützliche Regulierung „von oben“ zu meistern.  

Sportarten damals 

Einige Sportarten haben sich mangels Interesse und Kurzzeitlebensdauer in unserem Verein nicht festgesetzt und ihre Existenzberechtigung in der Sparte Breitensport gesichert. Die Vielfältigkeit des Sports als gesellschaftlich geachteter Bestandteil der territorialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft zeugt jedoch von einer beispiellosen Identifizierung unserer Einwohner und Werktätigen mit ihrem Verein. Die Interessenvielfalt wurde vor allem durch folgende Sparten gesichert:

Fußball, Volleyball, Tischtennis, Kegeln/Bowling, Eishockey, Handball, Segeln, Kanu, Angeln, Surfen, Schach, Reiten, Freizeit- und Erholungssport, Sport an Bord, Wandern und Touristik, Judo, Tennis, Lehrlingssport

Aber auch die beliebten „Kombinats- und Betriebssportfeste“ dienten dem geselligen Miteinander.

Probleme damals

Die lagen weniger im finanziellen- sondern stärker im materiell- technischen Bereich. Von der Qualität und mangelhaften Verfügbarkeit bei Sportmaterialien bis zum baulichen Zustand der Sportanlagen gab es viel zu improvisieren.

Mitglieder damals und heute

Damals zwischen 2000 und 3000, heute zwischen 600 und 700.

Kaderschmiede für FC Hansa?

Die große Stärke des Rostocker Fußballs lag vor der Wende darin, dass der FC Hansa Wert auf das Zusammenwirken mit den vielen Betriebssportgemeinschaften der Stadt und des Umlandes gelegt hat. Da dies vorrangig über die Trainingszentren erfolgte, spielte die BSG Schiffahrt Hafen hierbei eine entscheide Rolle.

Außerdem lag der Erfolg im gegenseitigen Geben und Nehmen. So profitierten wir in großem Maße von der Delegierung junger und erfahrener Fußballer vom Ostseestadion zum Richtfunkturm. Natürlich sind Namen wie Gernot Alms, Frank Rillich und Florian Weichert als Erstligaspieler vor allem Älteren geläufiger als die vielen Nachwuchsspieler, die beim FC Hansa sehr erfolgreiche Zeiten hatten und nicht bis ganz oben kamen. Wir möchten als Beispiel nennen: Oliver Radseck, Felix Dojahn und Johann Berger als Profikader oder Marco Laaser (Bezirks- und Landesauswahl) ebenso Philip Sander und Danny Koop.

DDR-Oberligaspieler des FCH spielten für unsere BSG und förderten als Trainer und Übungsleiter den Nachwuchs, wie: Walter Schoof, Walter Lucyga, Peter Sykora, Wolfgang Wolter, Peter Schlesinger,  Andreas Seering, Karsten Wenzlawski, Hans Albrecht, Olaf Spandolf, Joachim Susa, Dietmar Sohns, Karl-Heinz Aul, Holger Weggen, Dietrich Kehl, Heinz Pinkohs, Rüdiger Kaschke, Axel Evert, Maik Zimmermann.

Unser Ehrenmitglied Kurt Zapf trainierte unsere 1.Männermannschaft und war im Verein bis zu seinem Tod fest verankert.

Herausforderungen nach der Wende

Die feste Integration des Vereins in der vorhandenen Seeverkehrswirtschaft, ein starker Vorstand und ein eigenständig gefestigter Nachwuchsbereich waren die Grundlage für die verhältnismäßig gelungene aber keineswegs einfache Überführung des Vereins in die neue Zeit. Dabei erwies sich vor allem das konsequente Zusammenrücken des Vorstandes mit der Nachwuchsleitung als Eckpfeiler.

Persönlichkeiten wie unser verstobener Ehrenvorsitzende Karl-Heinz Hass, Jürgen Rabenhorst, Horst Fleck,Dieter Prödel, Peter Sykora, Norbert Radloff, Benno Haase, Robert Pischke, Wolfgang Moschke ,Rolf Heyl, Hardo Schild, Harald Jargow, Dieter Rambow, Axel Götz, Rainhard Kempert und Hans-Werner Bull haben sich in der Wendezeit zusammengerauft, persönliche Befindlichkeiten und Ressortdenken über Bord geworfen und gemeinsam mit den ehrenamtlichen Übungsleitern, Betreuern und Sektionsleitern den SV Hafen in ruhigeres Fahrwasser manövriert.

Neben den etablierten Patenbetrieben Seehafen, Seerederei und Schiffsmaklerei  wurden neue Partner dazugewonnen, zu den ersten Sponsoren gehörten die WG Schiffahrt Hafen, BIOWOLF, Hamburg Mannheimer, Fischhandel Barluschke, Debeka, Elektro Zelck, Autolackierung Reining, Opel Krüger, Fleischerei Winter, Hansa Sporthaus u.v.a.

Ja, wir können mit Stolz darauf verweisen, dass der SV Hafen  der einzige Verein ist, der von der Gründung bis heute „seinen Hauptsponsor“ Seehafen Rostock an seiner Seite hat.

Situationen des Hinschmeissen?

Auch hierbei haben die Entscheidungsträger verantwortungsvoll und angemessen allen Zerschlagungsgedanken entgegengewirkt und mit der Dreiteilung und damit verbundenen Verkleinerung der Strukturen der Arbeitsfähigkeit zum Durchbruch verholfen. Kleinere Ziele trugen sich mit der Gewissheit, dass sie realistisch und zukunftsfähig sind.

Das Festhalten am Mehrspartenverein gegen starke Widerstände hat dazu geführt, den Charakter des Vereins im Sinne seiner Gründer, wie Peter Petsch und Mitglieder der Anfangsjahre wie Jürgen Bergmann, Kurt Zapf und Bernhard Legler nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken.

 Eigene Einschätzung

H.-W.Bull:

Neben den dargelegten Gedanken faszinieren mich vor allem drei Aspekte: Ich bin stolz darauf, dass der Name Schiffahrt Hafen auch von jungen Mitgliedern immer mehr mit Stolz genannt wird. Die Priorität der Jugendarbeit macht unser Vereinsleben bei gleichzeitiger Anerkennung und natürlicher Einbindung der Senioren so einmalig. Ich kann mir nicht vorstellen, in einem anderen Verein gemeinsam mit meinen Kindern und Enkelkindern so glücklich zu sein.

J.R.:

Wenn man fast 50 Jahre im gleichen Verein tätig ist und nicht ans Aufhören denkt, ergibt sich die enge Bindung von allein. Geprägt haben mich unendlich viele Sportfreundschaften und das Zusammenwirken mit den Vorständen und Mitgliedern aller Sparten. Nur so konnten Tiefen und Höhen erfolgreich gemeistert werden.