Für sechs Rostocker Fußballvereine wird die finanzielle Zukunft am Damerower Weg zunehmend ungewiss. Betroffen sind der Rostocker FC, der F.C. Förderkader René Schneider e.V., der Post SV Rostock, der Eisenbahner Sportverein Rostock 1948 e.V., der PSV Rostock und der SV Hafen Rostock e.V. 1961.
Gemeinsam nutzen die Vereine die Sportanlagen am Damerower Weg. Mehr als 2.000 Sportlerinnen und Sportler in fast 100 Mannschaften sind hier aktiv. Vier Kunstrasen- und sechs Rasenplätze bilden die sportliche Grundlage für Training, Spielbetrieb und Vereinsleben. Doch die Finanzierung dieses Standorts wird für die Vereine zu einer immer größeren Herausforderung.
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Steigende Kosten belasten die Vereine bereits heute
Die Sportanlagen befinden sich seit 2005 im Eigentum der WIRO Wohnungsgesellschaft Rostock. Für den Betrieb entstehen erhebliche Kosten. Dazu gehören unter anderem Wasser, Strom und Gas sowie die Pflege und Wartung der Spiel- und Nebenflächen. Finanziert werden die Betriebskosten derzeit aus mehreren Quellen. Die Vereine leisten eine Selbstbeteiligung, hinzu kommt ein großer Förderanteil über den Stadtsportbund. Auch die WIRO beteiligt sich und gleicht derzeit noch bestehende Differenzbeträge aus.
Schon die bisherigen Kostensteigerungen stellen die Vereine jedoch vor große Herausforderungen. Die Selbstbeteiligungen für die Nutzung der Sportplätze sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Einige der Vereine haben deshalb bereits ihre Mitgliedsbeiträge erhöht.
Für den SV Hafen Rostock soll dies nach Möglichkeit nicht der Weg sein. „Wir möchten die Mitgliedsbeiträge nicht erhöhen. Wir wollen, dass Sport bezahlbar ist und jeder Sport machen kann“, erklärt Rico Turner, Vorstand des SV Hafen Rostock, gegenüber dem NDR. Gerade für Vereine mit vielen Kindern und Jugendlichen ist die Bezahlbarkeit des Sports ein wichtiger Punkt. Steigende Kosten können nicht unbegrenzt an die Mitglieder und Familien weitergegeben werden.
Ab 2031 droht eine erhebliche Finanzierungslücke
Noch größer könnte die Herausforderung ab dem Jahr 2031 werden. Nach Angaben der WIRO können die derzeit von der Wohnungsgesellschaft übernommenen Differenzbeträge dann aus steuerrechtlichen Gründen nicht mehr gezahlt werden. Gleichzeitig kann auch der Stadtsportbund derzeit nicht zusichern, in welchem Umfang eine Förderung über das Jahr 2031 hinaus möglich sein wird.
Damit stellt sich für die sechs Vereine eine zentrale Frage: Wer übernimmt künftig die Kosten, die bislang durch diese Zuschüsse und Ausgleichszahlungen gedeckt werden?
Sollte dafür keine tragfähige Lösung gefunden werden, könnten die finanziellen Belastungen für die Vereine ein Ausmaß erreichen, das aus eigener Kraft nicht mehr zu bewältigen ist. Im schlimmsten Fall wäre damit auch die weitere Nutzung der Sportanlagen und somit der Spiel- und Trainingsbetrieb am Damerower Weg gefährdet. Die Folgen würden nicht nur die sechs Vereine treffen. Mehr als 2.000 Sportlerinnen und Sportler sowie fast 100 Mannschaften sind auf die Anlagen angewiesen.
Sechs Vereine wollen gemeinsam Aufmerksamkeit schaffen
Die Vereine haben deshalb beschlossen, gemeinsam auf die Situation aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „6 für 1“ wollen sie deutlich machen, welche Bedeutung der Damerower Weg für den Rostocker Vereinssport hat.
Dabei geht es nicht allein darum, auf steigende Kosten hinzuweisen. Die Vereine wollen zeigen, was dieser Standort Tag für Tag ermöglicht: Training und Wettkämpfe, Kinder- und Jugendfußball, Erwachsenen- und Frauensport sowie gemeinsames Vereinsleben.
Ein zentraler Bestandteil ist ein gemeinsamer Aktionstag am Damerower Weg am 6. September. Geplant sind verschiedene sportliche und gemeinschaftliche Aktionen der beteiligten Vereine.
Der SV Hafen Rostock plant unter anderem Spendenläufe rund um den Rasenplatz. Andere Vereine wollen Turniere verschiedener Nachwuchsaltersklassen, Spiele mit gemischten Mannschaften und Laufveranstaltungen organisieren. Außerdem sind unter anderem eine Teststrecke zur Ermittlung der schnellsten Spielerinnen und Spieler sowie eine Messung der Schussgeschwindigkeit vorgesehen.
Weitere Angebote wie ein Soccercourt, Menschenkicker, Hüpfburg und Air-Pitch-Felder sollen den Aktionstag ergänzen. Der Tag soll damit nicht nur ein Protest gegen eine drohende Entwicklung sein, sondern vor allem sichtbar machen, wie viele Menschen den Damerower Weg regelmäßig mit Leben füllen. „Wir versuchen der Hansestadt Rostock zu zeigen, was hier eigentlich los ist“, sagt Rico Turner. „Wir erhoffen uns dadurch, dass wir mehr wahrgenommen werden.“
Leere Plätze als mögliches Zeichen
Um die möglichen Konsequenzen einer fehlenden Lösung deutlich zu machen, ziehen die Vereine auch Spielausfälle als Form des Protests in Betracht. Die Botschaft dahinter ist bewusst einfach: Wenn die Finanzierung des Standorts langfristig nicht gesichert werden kann, könnten genau diese leeren Fußballplätze irgendwann Realität werden.
Für den gemeinsamen Aktionstag ist deshalb vorgesehen, dass die Vereine keine regulären Pflicht- oder Freundschaftsspiele bestreiten. Die zuständigen Planer beim Landes- und Kreisfußballverband wurden nach Angaben der Vereine frühzeitig informiert. Beide Verbände haben Unterstützung für das Vorhaben signalisiert. Statt eines regulären Spieltages soll der Damerower Weg an diesem Tag ganz im Zeichen der gemeinsamen Sache stehen.
WIRO und Hansestadt signalisieren Gesprächsbereitschaft
Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Standorts ist bislang nicht gefallen. Auf Anfrage des NDR haben sowohl die WIRO als auch die Universitäts- und Hansestadt Rostock erklärt, mit den Beteiligten Gespräche führen zu wollen. Langfristig wolle man am Spielbetrieb der Vereine am Damerower Weg festhalten und den Sport an diesem Standort sichern.
Für die sechs Vereine ist diese Gesprächsbereitschaft ein wichtiger Ausgangspunkt. Gleichzeitig braucht es eine langfristige Lösung, die Planungssicherheit schafft und verhindert, dass die zusätzlichen Kosten letztlich allein bei den Vereinen und ihren Mitgliedern landen, denn der Damerower Weg ist für Tausende Rostockerinnen und Rostocker weit mehr als eine Ansammlung von Fußballplätzen. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist er Trainingsort, Wettkampfstätte und Treffpunkt. Für viele Mannschaften ist er ihre sportliche Heimat.
Diese Heimat auch über das Jahr 2031 hinaus zu erhalten, ist das gemeinsame Ziel der sechs Vereine.
Weitere Informationen zur Initiative und zum Aktionstag gibt es unter www.6fuer1.de.

